Wolfsproblematik: Interview mit Volkmar Winkler

Veröffentlicht am 02.11.2017 in Landespolitik

Es scheint, als konzentriere die Politik sich momentan hauptsächlich auf passive Schutzkonzepte, wie Zäune oder Herdenschutzhunde. Können Sie einen Punkt definieren, an dem Sie die Möglichkeiten dieser Maßnahmen als ausgereizt ansehen würden? Können Sie einen Zeitpunkt definieren, ab dem Sie eine Regulierung des Bestands für notwendig halten würden? Diskutieren Sie aktuell auch aktive Schutzkonzepte?

Bis Anfang des 19. Jahrhundert gehörte der Wolf zu den einheimischen Tierarten Europas. Er wurde durch menschliche Bejagung in Europa ausgerottet. Heute steht der Wolf unter einem hohen Schutzstatus und zwar nach europäischem und deutschem Recht. Nur durch diesen hohen Schutzstatus ist es erst möglich geworden, dass der Wolf wieder in seinen ursprünglichen Lebensraum zurückkehrt.

Die Ausbreitung des Wolfes erfolgt aber nicht gleichmäßig,  sondern von verschiedenen Faktoren abhängig. Das führt zu der subjektiven Wahrnehmung der Menschen vor Ort und insbesondere der Weidetierhalter, dass ein günstiger Erhaltungszustand bereits erreicht sei.

Gegenwärtig wird der günstige Erhaltungszustand bei im Austausch stehenden Populationen bei unter 125 Rudel bzw. Paaren gesehen, die an der Reproduktion teilnehmen. Gibt es keinen genetischen Austausch unter den Populationen, sind 500 Rudel bzw. Paare nötig.

Der hohe Schutzstatus des Wolfes muss solange erhalten bleiben, bis der Wolf in Europa zu einer stabilen Population gelangt ist, also ein günstiger Erhaltungstand wiederhergestellt ist.

Erst dann kann entschieden werden, ob der derzeit absolute und berechtigte Schutzstatus nach deutschen und europäischen Recht aufgeweicht werden kann.

Die Diskussion um den günstigen Erhaltungsstatus muss  sachlich und auf der Basis von wissenschaftlichen Fakten geführt werden und sie muss in einer gesamtdeutschen und länderübergreifenden Betrachtung erfolgen. 

In Sachsen haben wir sehr frühzeitig begonnen, ein Wolfsmanagement zu erstellen und Schutzkonzepte umzusetzen – von Aufklärung der Bevölkerung über Fördermaßnahmen für Tierhalter, insbesondere Schäfer. Seit 2009 wurden Standards definiert, nach denen eine Herde vor Wolfsrissen geschützt wird.. Es gibt in Sachsen bis dato keinen Fall, bei dem ein Wolf empfohlene Elektrozäune mit einem richtig angebrachten Flatterband übersprungen hat.

Betrachten Sie die Wolfsmanagement-Konzepte anderer Länder, in denen Bejagungsstrategien eine Rolle spielen? Und falls ja, haben Sie bei diesen Betrachtungen Strategien kennengelernt, die Sie als effektiv und eventuell auf die Bundesrepublik übertragbar einstufen würden?

Natürlich bringt die Wiederansiedlung des Wolfes verschiedene Konflikte mit sich. Da sind zum einen die Weidetierhalter, die sich umstellen müssen. Dafür gibt es finanzielle Unterstützungen durch den Freistaat für Schadenausgleich und Präventionsmaßnahmen. 

Es gibt Ängste und Vorbehalte in der Bevölkerung. Das ist verständlich. Diese Ängste gilt es aber abzubauen, durch Aufklärung und Öffentlichkeitsarbeit. In Sachsen wird dies u.a durch das Kontaktbüro Wolfsregion Lausitz geleistet. Selbstverständlich kann es auch - , trotz Managementmaßnahmen und Präventionsmaßnahmen - zu Fällen kommen, in denen ein Wolf aufgrund der Verhaltensauffälligkeit entnommen werden muss.

Als erstes deutsches Bundesland hat Sachsen bereits im Jahr 2009 einen Managementplan, u.a. zu den Fragen Zuständigkeiten, Monitoring und Schadensprävention beschlossen. Dieser sächsische Managementplan ist auch Vorbild und Orientierung für andere Bundesländer, mit denen Sachsen auch im aktiven Erfahrungsaustausch steht.

Die Koalitionsfraktionen CDU/SPD haben in Form einer parlamentarischen Initiative im Dezember 2016 die Staatsregierung beauftragt, Wolfsmanagementmaßnahmen aus den Ländern Europas, in denen der Wolf vorkommt, zusammenzustellen. zusammenstellen.

Halten Sie die Fangjagd (Jagd mit der Falle) für ein geeignetes Mitte des Bestandsmanagements?

Diese Frage stellt sich insofern nicht, da der Wolf noch einem absoluten Schutzstatus unterliegt.

Nehmen wir an der Wolfsbestand nimmt in Deutschland so weit zu, dass er als stabil eingestuft wird.

Sollte der Wolf dann vom Naturschutz- ins Jagdrecht überführt werden?

Falls ja, welche Pflichten für die Jägerschaft würden sich aus der Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht ergeben? Wäre der Wolf dann innerhalb einer Jagdzeit – wie etwa der Fuchs – frei bejagbar oder welche Reglung schwebt Ihnen vor?

Zunächst muss die Frage geklärt wird, wann ein günstiger Erhaltungszustand erreicht ist. Dies muss auf einer sachlichen Basis, beruhend auf wissenschaftlichen Fakten und in einer länderübergreifenden Betrachtung, erfolgen.

Wenn dieser günstige Erhaltungszustand erreicht ist, dann brauchen wir eine einheitliche Regelung, die in ganz Deutschland gilt. In Sachsen haben die Koalitionsfraktionen CDU/SPD im Dezember 2016 im Rahmen einer parlamentarischen Initiative, eine wissenschaftliche Studie gefordert, in der auch eine Bewertung des Rechtsrahmens und die Erarbeitung von Vorschlägen erfolgen soll. Auf Grundlage diese wissenschaftlichen Fakten kann weitere Meinungsbildung erfolgen. Ebenfalls gibt es erste Gespräche zwischen den Ländern und dem Bund.

Spielt das Thema „Hybridisierung“ für Sie eine Rolle?

Falls ja, können Sie konkrete Maßnahmen nennen, mit denen Sie einer Hybridisierung der Wolfspopulation entgegen wirken möchten?

Der sächsische Managementplan für den Wolf setzt sich auch mit der Frage des Umgangs mit Hybriden auseinander. Dabei ist zunächst festzustellen, dass in kleinen und stark fragmentierten Populationen die Gefahr der Hybridisierung größer und die Auswirkungen stärker sind, als in großen, Individuen eichen Wolfspopulationen. Der Managementplan weist weißt zum Umgang mit Hybriden aus, dass Entfernung aus der Population aus Artenschutzgründen geboten ist. Es muss aber zweifelfrei nachgewiesen sein, dass es sich um einen Hybrid handelt.

 

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