JVA-Chef: "Meine Leute sind ausgebrannt"

Veröffentlicht am 08.11.2017 in Kommunales

Zu einer Bestandsaufnahme in Sachen Personalsituation in der Torgauer Justizvollzugsanstalt (JVA) kamen am Montag die SPD-Landtagsabgeordneten Harald Baumann-Hasske und Volkmar Winkler.

 

Torgau. Was ihnen JVA-Leiter Erico Anselmi dabei in Sachen Personalausstattung zu sagen hatte, war wenig erfreulich. Es fehlt rund ein Viertel Personal, denn seit etwa zehn Jahren hat die JVA keine neuen Beamten bekommen, hieß es in einer Pressemitteilung der SPD. Zwar konnte das über einige Tarifbeschäftigte ausgeglichen werden, doch diese dürfen nicht in vollem Umfang die Aufgaben der ausgebildeten Beamten übernehmen. Daraus resultiere eine immense Überbelastung bei den vorhandenen Kräften insbesondere dann, wenn es zusätzliche Aufgaben – etwa bei der Bewachung von Gefangenen im Krankenhaus oder bei sozialen Aktivitäten – gibt.

„Die Leute sind ausgebrannt“, so Anselmi, der bei seinem Personal auch mit vorgezogenen Pensionierungen zu kämpfen hat. Harald Baumann-Hasske, der in seiner Funktion als justizpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion bereits zum zweiten Mal in die JVA gekommen war, nahm deshalb nicht nur aktuelle Personalzahlen mit, sondern will im Justizministerium auch Druck aufbauen, damit sich an dieser Situation etwas ändert. Dies wird jedoch nicht nur am Geld liegen. Problem: Neue Beamte werden derzeit  erst ausgebildet und stehen frühestens 2019 zur Verfügung. Auch Volkmar Winkler, der im Anstaltsbeirat mitarbeitet, will sich weiter für Verbesserungen einsetzen. Hinweise dazu bekam er während eines sehr offenen Gespräches mit der Gefangenenvertretung. Darüber hinaus interessierte er sich bei dem Gespräch vor allem für Fragen des Krankenstandes bei den Strafvollzugsbediensteten und dessen Auswirkungen. Auch hier hatte Anselmi nicht viel Gutes zu berichten.

Angenehm überrascht waren die beiden Abgeordneten allerdings vom Engagement in der JVA bei der Gestaltung der großzügigen Außenanlagen. Die JVA Torgau verfügt von allen sächsischen Strafvollzugsanstalten aufgrund ihrer Fläche über das beste Potenzial, um beispielsweise Gartenbau zu betreiben oder Kulturveranstaltungen in einem Freiluft-Theater zu organisieren. Auch eine neue Sporthalle ist geplant. Für die Resozialisierung der Gefangenen sind diese Dinge nach Ansicht der Landtagsabgeordneten sehr wichtig, denn in der JVA leben Menschen, die eine Haftstrafe von mindestens zwei Jahren verbüßen müssen. Dies gilt ebenfalls für Sozialangebote wie das Vater-Kind-Projekt und andere familienorientierte Möglichkeiten, um Haft auch wirklich als Resozialisierung zu planen

 

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